Ratingagenturen

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Noch nie zuvor in der Geschichte Europas haben die Ratingagenturen eine derart große Rolle gespielt, wie in den Jahren 2011 und 2012. Diese Entwicklung ist umso erstaunlicher, als die drei großen Ratingagenturen S&P, Moodys und Fitch allesamt US-amerikanische Unternehmen sind.
Warum aber ist der Einfluss der Ratingagenturen so groß und kann sogar über das Schicksal des Euro entscheiden?

Ratingagenturen im Fokus

Nun, um zu verstehen, warum der Einfluss der Ratingagenturen derart groß ist, muss man sich zunächst einmal deutlich machen, welche Aufgabe eine Ratingagentur hat.
Grundsätzlich ist es die Aufgabe von Ratingagenturen, die Bonität, also die Zahlungsfähigkeit, von Unternehmen, Vereinigungen und sogar ganzen Ländern zu bewerten und dafür eine Note, ähnlich einer Schulnote, zu vergeben. Dies soll dann ein Indikator für all diejenigen sein, die mit dem jeweiligen Emittenten Geschäfte machen möchten, also z.B. die Aufkäufer von Staats- oder Unternehmensanleihen. Vereinfacht gesagt gibt ein Rating also Aufschluss darüber, wie wahrscheinlich es ist, dass ich das Geld, das ich verleihe, auch tatsächlich wiedersehe.

Aufgrund des hohen Verschuldungsgrades der Euroländer haben einige der großen Ratingagenturen aktuell ihre Bewertungen für einige Euroländer drastisch nach unten gesetzt. Dies führt natürlich zwangsläufig dazu, dass sich weniger Käufer für die Staatsanleihen der jeweiligen Länder finden, bzw. dazu, dass diese Länder einen höheren Zins auf ihre Staatsanleihen zahlen müssen. Da die Kosten somit jedoch steigen, wird das Schuldenproblem eher größer als kleiner – das aber interessiert zunächst einmal keinen.

US-Wirtschaft

Auch die US-Wirtschaft ist sehr stark verschuldet und der Dollar hat in den letzten Jahren gegenüber dem Euro deutlich an Wert verloren. Da nun alle Ratingagenturen in US-amerikanischer Hand sind, drängt sich bei vielen Experten der Verdacht auf, dass diese den Euro nunmehr absichtlich nach unten Raten. Je mehr Länder nämlich in Bedrängnis geraten, desto unsicherer wird der Euro und die Menschen flüchten in andere Währungen, zum Beispiel den Dollar. Was des einen Leid ist also des anderen Freud und der Dollar gewinnt gegenüber dem Euro wieder an Boden. Ob diese Vermutungen jedoch der Wahrheit entsprechen oder nicht, ist nicht eindeutig bewiesen – der Verdacht drängt sich jedoch zunehmend auf.

Aktuell wurde im Januar 2012 auf der Europäische Euro-Rettungsschirm EFSF deutlich nach unten geratet, was jedoch bisher keine Auswirkungen auf dessen Arbeit gezeigt hat.

Was aber können die Euroländer tun?
Nun, zunächst einmal sollte man aufhören, sich immer von den Ratingagenturen seine eigene Meinung vordiktieren zu lassen. Wenn wir, also die Euroländer, immer auf denjenigen gehört hätten, der einen Vorteil von unserer Schwäche hat, dann wären wir heute sicherlich nicht da, wo wir nun einmal sind – an der wirtschaftlichen Weltspitze.

Eine gute Möglichkeit, die Macht der US-Ratingagenturen zu brechen wäre es, eine Europäische Ratingagentur ins Leben zu rufen, die sich ihrerseits fest am Markt etabliert.
Zugegeben, wenn die Ratingagenturen ein Instrument der Politik werden, ist ihr Sinn durchaus in Frage zu stellen, wenn das aber von allen Ländern gleichermaßen gemacht würde, wäre die Sache wieder vollkommen ausgeglichen.

Trotz aller Kritik an den Ratingagenturen darf man jedoch nicht vergessen, dass Europa auch ganz reelle Schuldenprobleme hat, die auf jeden Fall in Ordnung gebracht werden müssen. Am konsequenten Sparen führt dabei für alle Euroländer kein Weg vorbei.

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Comments

  1. BBKV says:

    Guter Artikel,viele Grüße Bernd!

  2. edelma says:

    Wir empfehlen: Rated die Ratingagenturen ;-)

Trackbacks

  1. [...] Entwicklung sind reihenweise Abstufungen der einzelnen Krisenländer und deren Banken durch die Ratingagenturen zu verzeichnen. Das erschwert wiederum die Beschaffung von frischem Geld auf dem Markt. Um diese [...]

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